Das Pietragalla Project ist ein deutsch-französisches Forschungsprogramm der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne und der Humboldt-Universität zu Berlin. Es zielt auf die archäologische Untersuchung und Aufwertung des Kulturerbes der befestigten Hochhaussiedlung Monte Torretta di Pietragalla ab. Der im nördlichen Teil des antiken Lukaniens (Basilikata, Italien), wenige Kilometer von der Quelle des Bradano entfernt, gelegene Monte Torretta ist ein Knotenpunkt zwischen der Bergregion Lukaniens und der apulischen Ebene.

Alle Schutzrechtsinhaber des Pietragalla Project

Dieses europäische Projekt basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit verschiedenen italienischen Forschungseinrichtungen: der Superintendenz und dem Museumspol der Basilikata, der Fakultät für Agrar- und Forstwissenschaften der Universität Basilikata, dem Archäologischen Provinzmuseum von Potenza und zwei auf Fernerkundung spezialisierten italienischen RNC-Laboratorien (IMAA und IBAM).

Zur Förderung einer “nachhaltigen Archäologie”, die die Forschung in den Dienst der Gemeinschaft stellt, stützt sich das Projekt auch auf eine enge Beziehung zwischen akademischen Partnern und lokalen Institutionen: die Region Basilikata, die Gemeinde Pietragalla, die Agentur zur Förderung des Territoriums der Basilikata und das UNESCO-Jugendkomitee.

Das Pietragalla Project ist eine Ausbildungsstätte für zwei Universitäten, die für ihre Ausbildung in der Archäologie bekannt sind: Die Feld- und Laboraktivitäten zielen darauf ab, Studenten und junge Forscher in den Bereichen Archäologie, Fernerkundung und Aufwertung des Kulturerbes auszubilden.



Das Hauptziel des Projekts ist die erneute Untersuchung der komplexen Frage der Lukanisierung der Region, d.h. des Begriffs, mit dem Historiker und Archäologen die Gesamtheit der Veränderungen bezeichnen, die die lukanische Welt ab der Mitte des V. Jahrhunderts v. Chr. erfassten und die von einigen als Ergebnis der Invasion samnitischer Völker aus dem Norden und von anderen als Ergebnis einer internen Entwicklung der einheimischen Bevölkerung interpretiert werden. Ein wichtiger Punkt sind die befestigten Höhensiedlungen, die im IV. Jahrhundert v. Chr. in ganz Lukanien entstehen.

Genau aus diesen Gründen stellt die archäologische Stätte des Monte Torretta di Pietragalla ein privilegiertes Observatorium für die Behandlung dieser Fragen dar. Es handelt sich vor allem um einen befestigten Hügel, der am nördlichen Rand von Lukanien liegt. Es handelt sich um einen wichtigen regionalen Knotenpunkt, der zudem auf eine lange Lebensdauer zurückblicken kann: Im Gegensatz zu vielen anderen lukanischen Stätten, die fast plötzlich im IV. Jh. v. Chr., zeugt der Monte Torretta di Pietragalla von einer mehr oder weniger kontinuierlichen Besiedlung vom Ende der geometrischen Zeit mit einigen schwachen Spuren aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit bis zum II Jh. v. Chr., d. h. nach der römischen Eroberung und der daraus folgenden Romanisierung der Region.

Das wissenschaftliche Programm des Pietragalla-Projekts zielt darauf ab, durch einen interdisziplinären Ansatz, der neue, während der Feldarbeit gewonnene Daten mit dem Studium der materiellen Kultur der frühen Ausgrabungen verbindet, eine konkrete Antwort auf solche seit langem bestehenden Fragen im Rahmen der lukanischen Studien zu geben, wobei eine kulturanthropologische Perspektive verfolgt wird. In dieser ersten Forschungsphase wurden drei Untersuchungspunkte definiert:

1.Rückkehr zu den diskutierten Fragen der Datierung der lukanischen befestigten Siedlungen durch eine erneute Untersuchung des Befestigungssystems des Monte Torretta, das fast vollständig erhalten ist, aber nie stratigraphisch ausgegraben wurde (und daher ohne chronologische Daten) und nie Gegenstand einer vollständigen und detaillierten topographischen Vermessung war (die es erlauben würde, die genaue Art und die Bautechniken zu verstehen).

2. Verstehen Sie die Gliederung der Siedlung, insbesondere die Beziehung zwischen den beiden Steinmauerkreisen, die Beziehung zwischen dem Intra-muros-Raum und dem Extra-muros-Raum sowie die Beziehung zwischen dem Hügel des Monte Torretta und dem angrenzenden Hügel des Monte Solario, der zweifellos zwischen dem VII. und III. Jh. v. Chr.

3.Interpretation des Fundkontextes der wichtigsten Artefakte vom Monte Torretta di Pietragalla, die im Museo Archeologico Provinciale von Potenza aufbewahrt werden, auch ohne die genauen Fundbedingungen rekonstruieren zu können.